Pforten der Weisheit
Pforten der Weisheit

Die unendliche Geschichte

Die schöpferische Kraft im Menschen vermehrt, stärkt, steigert seinen Sein, mit dem sie in Berührung kommt, ganz gleich, in welchem Beruf. Sie ist die Fähigkeit des Menschen, die Wirklichkeit des Seienden vollkommen zu machen. Deshalb ist die schöpferische Kraft die höchste aller menschlichen Kräfte. Sie lässt sich allerdings weder begründen noch erlernen, aber ich bin davon überzeugt, dass sie in jedem Menschen angelegt ist, dass darin seine wahre Gottähnlichkeit besteht – oder auch seine Identität mit Gott. Die höchste Form dieser schöpferischen Kraft ist die Liebe (…) Es gibt keine Kraft, keinen Willen, keinen Zustand, der über ihr ist. Sie ist der Kether, die Krone des kabbalistischen Lebensbaumes.

 

Quelle: aus dem Nachlass Michael Endes

zitiert nach R. und P Hocke, Das Phantásien-Lexikon

Schon Koreanders Antiquariat, dessen Name in der Unendlichen Geschichte spiegelverkehrt gedruckt ist, charakterisiert Bastians Eintritt in das Reich der Phantasie. Alles, was in der Außenwelt als richtig herum erscheint, wird in Koreanders sonderbarem Laden gespiegelt und somit umgekehrt. Im Laden wie im Buch herrscht, anders als in der kompakten Welt der Arbeit, der Politik und einer grauen Alltäglichkeit, die vermeintliche Unwirklichkeit des Geistes und der Phantasie in Gestalt von zahllosen verlockendsten, geheimnisvollen Büchern für den dafür Empfänglichen. Auf diese Weise wird das Antiquariatsgeschäft selbst bereits zu einem ersten Tor in die andere Welt Phantásiens, die ja von der Alltagswirklichkeit her betrachtet eine verkehrte, die Verhältnisse auf den Kopf stellende, unwirklich-nichtige Welt ist. Zum Schluss werden dann aber die wahren Verhältnisse im Sinne Endes wiederhergestellt.

 

 

Die drei magischen Tore

 

Auf dem Weg zur Uyulála sind drei Tore zu durchschreiten, wobei das zweite Tor erst da ist, wenn man durch das erste gegangen ist, und das dritte erst, wenn man das zweite durchquert hat. Es ist also nicht möglich, die Tore einfach von außen zu umrunden.

 

Großes Rätsel Tor:

 

...Vor dem Tor und zwischen den beiden Pfeilern sah Atreju nun unzählige Totenschädel und Gerippe liegen – die Knochenreste der verschiedenartigsten Bewohner Phantásiens, die versucht hatten, das Tor zu durchschreiten und durch den Blick der Sphinxen für immer erstarrt waren.

 

Aber nicht das war es, was Atreju dazu veranlasste, stehen zu bleiben. Was ihn innehalten ließ, das war der Anblick der Sphinxen.

 

Atréju hatte manches erfahren auf seiner Großen Suche, er hatte Herrliches und Entsetzliches gesehen, aber was er bis zu dieser Stunde noch nicht gewusst hatte, war, dass es beides in einem gibt, dass Schönheit schrecklich sein kann.

 

Das Mondlicht überflutete die beiden gewaltigen Wesen und während er langsam auf sie zuging, schienen sie ins Unendliche zu wachsen. Ihm war, als ob sie mit den Häuptern bis zum Mond emporreichten und der Ausdruck, mit welchem sie einander anblickten, schien sich mit jedem Schritt, den er näher kam, zu wandeln. Durch die hoch aufgerichteten Leiber, vor allem aber durch die menschenähnlichen Gesichter liefen und zuckten Ströme einer furchtbaren, unbekannten Kraft – so, als wären sie nicht einfach da, wie Marmorstein eben vorhanden ist, sondern so, als wären sie jeden Augenblick im Begriff zu verschwinden und würden gleichzeitig aus sich selbst heraus neu erschaffen. Und es war, als seien sie gerade deshalb viel wirklicher als jeder Fels. Atréju empfand Furcht.

Es war nicht so sehr die Furcht vor der Gefahr, die ihm drohte, es war eine Furcht, die über ihn selbst hinausging. Er dachte kaum daran, dass er – falls der Blick der Sphinxen ihn treffen würde – für immer festgebannt und erstarrt stehen bleiben müsste. Nein, es war die Furcht vor dem Unbegreiflichen, vor dem über alle Maßen Großartigen, vor der Wirklichkeit des Übermächtigen, die seine Schritte immer schwerer machte, bis er sich fühlte, als sei er aus kaltem, grauem Blei. Dennoch ging er weiter.

 

Er blickte nicht mehr empor. Er hielt den Kopf gesenkt und ging sehr langsam, Fuß vor Fuß, auf das Felsentor zu. Und immer gewaltiger wurde die Last der Furcht, die ihn zu Boden drücken wollte. Doch er ging weiter. Er wusste nicht, ob die Sphinxen ihre Augen geschlossen hatten oder nicht. Er hatte keine Zeit zu verlieren. Er müsste es darauf ankommen lassen, ob er Zutritt erhalten würde oder ob dies das Ende seiner Großen Suche war.

 

Und gerade in dem Augenblick, als er glaubte, alle Kraft seines Willens reiche nicht mehr aus, um ihn auch nur noch einen einzigen Schritt vorwärts zu tragen, hörte er den Widerhall dieses Schrittes im Inneren des Felsenbogens. Und zugleich fiel alle Furcht von ihm ab, so völlig und ohne Rest, dass er fühlte, er würde von nun an nie wieder Furcht empfinden, was auch geschehen mochte...

 

Zauber Spiegel Tor:

 

...»Dieses zweite Tor ist sowohl offen als auch geschlossen. Hört sich verrückt an, wie? Vielleicht sagt man besser, es ist weder geschlossen noch offen. Obwohl es dadurch nicht weniger verrückt wird. Kurzum: Es handelt sich dabei um einen großen Spiegel oder so was, obwohl die Sache weder aus Glas noch aus Metall besteht. Woraus, hat mir nie jemand sagen können. Jedenfalls, wenn man davor steht, dann sieht man sich selbst – aber eben nicht wie in einem gewöhnlichen Spiegel, versteht sich. Man sieht nicht sein Äußeres, sondern man sieht sein wahres inneres Wesen, so wie es in Wirklichkeit beschaffen ist. Wer da durch will, der muss – um es mal so auszudrücken – in sich selbst hineingehen.«

 

»Jedenfalls«, meinte Atreju, »scheint mir dieses Zauber Spiegel Tor leichter zu durchschreiten als das erste.«

 

»Irrtum!«, rief Engywuck und begann wieder aufgeregt hin und her zu laufen. »Ganz gewaltiger Irrtum, mein Freund! Habe erlebt, dass gerade solche Besucher, die sich für besonders untadelig hielten, schreiend vor dem Ungeheuer geflohen sind, das ihnen in dem Spiegel entgegengrinste. Manche mussten wir sogar wochenlang kurieren, ehe sie überhaupt wieder in der Lage waren, die Heimreise anzutreten.«

 

...

 

Vor ihm, nur etwa zwanzig Schritte entfernt, stand nun dort, wo zuvor nur die endlose leere Ebene zu sehen gewesen war, das Zauber Spiegel Tor. Es war groß und rund wie eine zweite Mondscheibe (denn die richtige schwebte noch immer hoch droben am Himmel) und glänzte wie blankes Silber. Es war schwer zu glauben, dass man gerade durch diese metallene Fläche sollte hindurchgehen können, doch Atréju zögerte keinen Augenblick.

 

Er rechnete damit, dass ihm, wie Engywuck es beschrieben hatte, irgendein Entsetzen erregendes Bild seiner selbst in diesem Spiegel entgegentreten würde, doch das erschien ihm nun – da er alle Furcht zurückgelassen hatte – kaum noch der Beachtung wert. Indessen, statt eines Schreckbildes sah er etwas, worauf er ganz und gar nicht gefasst gewesen war und das er auch nicht begreifen konnte. Er sah einen dicken Jungen mit blassem Gesicht – etwa ebenso alt wie er selbst – der mit untergeschlagenen Beinen auf einem Mattenlager saß und in einem Buch las. Er war in graue, zerrissene Decken gewickelt. Die Augen dieses Jungen waren groß und sahen sehr traurig aus. Hinter ihm waren einige reglose Tiere im Dämmerlicht auszumachen, ein Adler, eine Eule und ein Fuchs, und noch weiter entfernt schimmerte etwas, das wie ein weißes Gerippe aussah. Genau war es nicht zu erkennen.

 

Bastian fuhr zusammen, als er begriff, was er da eben gelesen hatte. Das war ja er! Die Beschreibung stimmte in allen Einzelheiten. Das Buch begann in seinen Händen zu zittern. Jetzt ging die Sache entschieden zu weit! Es war doch überhaupt nicht möglich, dass in einem gedruckten Buch etwas stehen konnte, was nur in diesem Augenblick und nur für ihn zutraf. Jeder andere würde an dieser Stelle dasselbe lesen. Es konnte gar nichts anderes sein als ein verrückter Zufall. Obgleich es ohne Zweifel ein höchst merkwürdiger Zufall war.

 

»Bastian«, sagte er laut vor sich hin, »du bist wirklich ein Spinner. Nimm dich gefälligst zusammen!« Er hatte es in möglichst strengem Ton zu sagen versucht, aber seine Stimme zitterte ein wenig, denn so ganz überzeugt war er nicht davon, dass es nur ein Zufall war.

 

Stell dir vor, dachte er, wenn sie in Phantasien wirklich etwas von dir wüssten. Das wäre fabelhaft. Aber er traute sich nicht es laut zu sagen.

 

Nur ein kleines erstauntes Lächeln lag auf Atrejus Lippen, als er in das Spiegelbild hineinging – er war ein wenig verwundert, dass ihm so leicht gelingen sollte, was anderen unüberwindlich schwer geschienen hatte. Doch während er hindurchging, fühlte er ein seltsames, prickelndes Erschauern. Und er ahnte nicht, was in Wahrheit mit ihm geschehen war.

 

Als er nämlich auf der anderen Seite des Zauber Spiegel Tors stand, da hatte er jede Erinnerung an sich selbst, an sein bisheriges Leben, an seine Ziele und Absichten vergessen. Er wusste nichts mehr von der Großen Suche, die ihn hierher geführt hatte, und kannte nicht einmal mehr seinen eigenen Namen. Er war wie ein neugeborenes Kind.

Vor sich, nur wenige Schritte entfernt, sah er das Ohne Schlüssel Tor, aber Atréju erinnerte sich weder an diese Bezeichnung noch daran, dass er vorgehabt hatte hindurchzugehen, um ins Südliche Orakel zu kommen. Er wusste überhaupt nicht, was er da wollte oder sollte und warum er hier war. Er fühlte sich leicht und sehr heiter und er lachte ohne Grund, nur einfach aus Vergnügen.

 

Ohne Schlüssel Tor:

 

Auf Atréjus Frage: »Und was hat es mit diesem dritten Tor auf sich?«, antwortete Engywuck:

 

»Hier wird die Sache überhaupt erst richtig schwierig! Das Ohne Schlüssel Tor ist nämlich zu. Einfach zu. Punktum! Da gibt’s keine Klinke und keinen Knauf und kein Schlüsselloch, nichts! Nach meiner Theorie besteht der einzige Türflügel, der fugenlos schließt, aus phantasischem Selen. Du weißt vielleicht, dass es nichts gibt, womit man phantasisches Selen zerstören, verbiegen oder auflösen kann. Ist absolut unzerstörbar.«

 

»Also kann man überhaupt nicht durch dieses Tor?«

 

»Langsam, langsam, mein Junge! Es sind ja Leute hineingekommen und haben mit der Uyulála gesprochen, nicht wahr? Also kann man die Tür öffnen.«

 

»Aber wie?«

 

»Hör zu: Phantasisches Selen reagiert nämlich auf unseren Willen. Gerade unser Wille ist es, der es so unnachgiebig macht. Je mehr einer hineinwill, desto fester schließt die Tür. Aber wenn es einer fertig bringt, jede Absicht zu vergessen und gar nichts zu wollen – vor dem öffnet sich die Tür ganz von selbst.«

 

Atréju senkte den Blick und sagte leise: »Wenn das wahr ist – wie soll es mir dann möglich sein, hindurchzukommen? Wie könnte ich es nicht wollen?«

 

 

Das Tor, das er vor sich sah, war klein und niedrig wie eine gewöhnliche Pforte, die ganz für sich – ohne umgebende Mauern – auf der öden Fläche stand. Und der Türflügel dieser Pforte war geschlossen.

 

Atréju betrachtete ihn eine Weile. Er schien aus einem Material zu bestehen, das kupferfarben schimmerte. Das war hübsch, doch verlor Atréju nach einiger Zeit das Interesse daran. Er ging um die Pforte herum und betrachtete sie von der Rückseite, aber der Anblick unterschied sich nicht von dem der Vorderseite. Auch gab es weder eine Klinke noch einen Türknauf, noch ein Schlüsselloch darin. Offensichtlich war die Tür nicht zu öffnen und wozu auch, da sie ja nirgendwohin führte und nur einfach so dastand. Denn hinter der Pforte war nur die weite, glatte und vollkommen leere Ebene.

 

Atréju hatte Lust wegzugehen. Er wandte sich zurück, ging auf das runde Zauber Spiegel Tor zu und betrachtete dessen Rückseite einige Zeit ohne zu begreifen, was es bedeuten solle. Er beschloss fortzugehen,

 

»Nein, nein, nicht fortgehen!«, sagte Bastian laut. »Kehr um, Atréju. Du musst durch das Ohne Schlüssel Tor!«

 

wandte sich dann aber doch wieder dem Ohne Schlüssel Tor zu. Er wollte noch einmal den kupfernen Schimmer betrachten. So stand er wieder vor der Pforte, neigte sich nach links und nach rechts und freute sich. Er strich zärtlich über das seltsame Material. Es fühlte sich warm und sogar lebendig an. Und die Tür öffnete sich einen Spalt.

 

Atréju steckte den Kopf hindurch und nun sah er etwas, das er vorher, als er um die Pforte herumgegangen war, nicht auf der anderen Seite gesehen hatte. Er zog den Kopf wieder zurück und blickte an der Pforte vorbei: Da war nur die leere Ebene.

 

Er blickte wieder durch den Türspalt und sah einen langen Gang, den unzählige mächtige Säulen bildeten. Und dahinter waren Stufen und andere Säulen und Terrassen und wieder Treppen und ein ganzer Wald von Säulen. Doch keine von diesen Säulen trug ein Dach. Denn darüber war der Nachthimmel zu sehen.

 

Atréju trat durch die Pforte und blickte voll Staunen umher. Hinter ihm fiel die Tür ins Schloss.

 

Bastian findet einen siebenarmigen, verrosteten Kerzenleuchter und zündet diesen an, da es ansonsten auf dem Speicher für die weitere Lektüre zu dunkel werden würde.

 

Weiter in der Geschichte…

 

 

Die Silberstadt Amargánth

 

So berichtet der flammende Löwe Bastian von dem Tausend Türen Tempel, einem Ort, der überall hinführt und von überall erreicht werden kann, wenn man sich wünscht, dorthin zu gelangen. Keiner hat ihn je von außen gesehen, weil er kein Äußeres hat. Sein Inneres hingegen besteht aus einem Türenlabyrinth. Jede Tür, egal ob Stall-, Küchen- oder auch Schranktür, kann in einem bestimmten Augenblick zur Eingangspforte in den Tausend Türen Tempel werden. Danach verwandelt sie sich wieder in eine ganz normale Tür zurück. Niemand kann zweimal durch dieselbe Tür gehen, und keine der tausend Türen führt zum Ausgangsort zurück. Man irrt in dem Tempel herum, bis ein wirklicher Wunsch einen wieder hinausführt. Einen wirklichen Wunsch zu finden dauert allerdings manchmal sehr lang.

 

Als eine innere Stimme Bastian schließlich fortruft, durchschreitet er eine Tür, die in diesem Augenblick zum Eingang in den Tausend Türen Tempel geworden ist. Er verspricht dem versteinerten Löwen, eines Tages zurückzukehren. Das Kapitel schließt mit dem Hinweis, dass Bastian das Versprechen nicht halten werde, dass aber viel später jemand in seinem Namen kommen werde, um es an seiner Stelle einzulösen. Doch dies sei eine andere Geschichte, die ein andermal erzählt werden solle.

 

Bastian findet zunächst keinen Weg aus dem Tausend Türen Tempel hinaus, hinter jeder Tür, die er durchschreitet, befinden sich weitere Türen. Erst, als in ihm der Wunsch entsteht, Atréju wiederzusehen, kann er sich gezielt auf den Weg machen; er wählt jeweils die Türen, die auf die eine oder andere Weise mit dem jungen Krieger in Verbindung steht. Die eine Tür ist aus Gras (Atréju lebt im Gräsernen Meer), die nächste aus Perlmutt (die Farbe von Fuchurs Schuppen), die dritte aus Leder (wie Atréjus Kleidung). Auf diese Weise erreicht Bastian die Silberstadt Amargánth, wo Atréju gerade damit beschäftigt ist, einen Wettkampf auszurichten. Ziel soll es sein, eine Gefolgschaft der größten Kämpfer Phantásiens zusammenzustellen, die Bastian, der inzwischen als Retter Phantásiens verehrt wird, finden und beschützen soll.

 

In Amargánth gibt es eine berühmte Bibliothek, in der Bastians Geschichten gesammelt werden. Sie befindet sich nunmehr schon seit Urzeiten hier, doch konnten die Amargánther sie bislang nicht öffnen. An ihrem Eingang findet Bastian den leuchtenden Stein, der von dem Horn des Einhorns stammt. Eine Inschrift weist auf die Funktion des Steins hin. Er soll Bastian für hundert Jahre leuchten und ihn in den dunklen Tiefen eines Ortes namens „Yors Minroud“ führen, es sei denn, Bastian würde seinen Namen rückwärts sprechen, dann verbrennt seine Energie in einem einzigen Augenblick:

 

Vom Horn des Einhorns genommen, bin ich erloschen.
Ich halte die Tür verschlossen, bis der mein Licht erweckt,
der mich bei meinem Namen nennt.
Ihm leuchte ich hundert Jahre lang
und will ihn führen in den dunklen Tiefen
von Yors Minroud.
Doch spricht er meinen Namen noch ein zweites Mal
vom Ende zum Anfang
verstrahl ich hundert Jahre Leuchten
in einem Augenblick.

 

Die Amargánther konnten dem Stein keinen Namen geben, weil kein Phantásier dies vermag. Bastian nennt den Stein Al´Tsahir, woraufhin er ihm gehört. Zugleich öffnet sich die Tür der Bibliothek, und die Amargánther nehmen Bastians reichhaltigen Schatz an Geschichten in Besitz.

 

 

Der Eintritt nach Phantasien

 

Als Bastian das Buch Die unendliche Geschichte an sich nimmt, glaubt er, einen Diebstahl zu begehen, etwas an sich zu bringen, das nicht ihm gehört, das nicht zu ihm gehört. Doch Bastian irrt. Das Buch sei aus dem Stoff gemacht, aus dem die Träume sind, erklärt ihm Koreander später. Es müsse selbst bereits aus Phantásien stammen. Folglich könne Bastian es keinesfalls gestohlen haben. Er selbst vermisse auch kein solches Buch. Die Logik der Erzählung lässt auch gar keine andere Schlussfolgerung zu. Phantásien ist Bastians Innenwelt, und das Buch ist ein Teil von ihr. Indem Bastian das Buch an sich nimmt, beginnt er lediglich damit, das zu greifen, was ihm ohnehin bereits wesentlich zugehört, was untrennbar mit ihm verbunden ist.

 

Für den Leser bleiben Fragen offen, Fragen, die Ende bewusst unbeantwortet lässt. Hat Bastian auch die Existenz des Buches und dessen Diebstahl nur erfunden? Hier stellt sich noch einmal eine zentrale Frage des Buches: Wie real ist die Fiktion?

 

Es gibt Menschen, die können nie nach Phantásien kommen, und es gibt Menschen, die können es, aber sie bleiben für immer dort. Und dann gibt es noch einige, die gehen nach Phantásien und kehren wieder zurück. So wie du. Und die machen beide Welten gesund.

 

Quellen: Die unendliche Geschichte von Michael Ende, Inhalt und Interpretation der Unendlichen Geschichte (Wikipedia)

Wenn Sie zwischen den Welten wandeln wollen, buchen Sie unter dem Punkt "Pforten zur Selbsterkenntnis" das persönliche oder erlebte Horoskop oder auch den Tempelschlaf (im weiten Sinne einer Reinkarnationstherapie).

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