Pforten der Weisheit
Pforten der Weisheit

Pistis Sophia

Die Pistis Sophia ist einer der wichtigsten koptisch-gnostischen Texte.

 

Über die Weisheit:

 

Hört die Mahnung und werdet weise, lehnt sie nicht ab! Wohl dem, der auf mich hört, der Tag für Tag an meinen Toren wacht und meine Türpfosten hütet. Wer mich findet, findet Leben und erlangt die Vorliebe bei dem Herrn. Doch wer mich verfehlt, der schadet sich selbst; alle, die mich hassen, lieben den Tod.

 

Sprüche 8, 22-36

Die Autorin Gabriele Quinque schreibt in ihrer Abhandlung zur Pistis Sophia:

 

»Die Pistis Sophia ist eine allegorische Abhandlung über das Leben der Seele auf ihrem Weg jenseits der Todespforten. Sie wird dem Gnostiker Valentinus zugeschrieben, der im 2. Jahrhundert nach Jesus in Alexandrien lebte ... Unter „Codex Askewianus“ liegt die Pistis Sophia im Britischen Museum in London ... Pistis Sophia übersetzen einige mit Glaube der Weisheit, jedoch trifft Erkenntnisse der Weisheit besser zu.«

 

 

Kapitel 81

 

Als Jesus nun all die Begebenheiten, die der Pistis Sophia im Chaos geschehen waren, erzählt hatte, und die Weise, wie sie das Licht gepriesen hatte, damit es sie rette und aus dem Chaos in den zwölften Äon führe; und die Weise, wie es sie gerettet hat aus all ihren Nöten, womit die Archonten des Chaos sie bedrängt hatten, weil sie zum Licht zu  gehen wünschte - da fuhr Jesus wiederum in seiner Rede fort und sprach zu seinen Jüngern:

 

»Nach all diesem geschah es, dass Ich die Pistis Sophia mitnahm und sie in den dreizehnten Äon hineinführte, während Ich hell erstrahlte in einem unermesslichen Licht.

 

Ich trat ein in das Gebiet der vierundzwanzig Unsichtbaren, indem Ich überaus leuchtete, und sie gerieten in große Unruhe. Sie erblickten die Sophia, die bei Mir war. Sie erkannten sie; Mich aber erkannten sie nicht, wer Ich sei; denn sie hielten Mich für eine Art Emanation aus dem Lichtland.

 

Als nun die Sophia ihre Gefährten, die Unsichtbaren, erblickte, freute sie sich mächtig und jubelte sehr und wollte ihnen die Wunder verkünden, die Ich für sie getan hatte, unten auf der Erde der Menschheit, bis zu ihrer Rettung. Sie trat mitten unter die Unsichtbaren und pries Mich in ihrer Mitte mit den Worten:

 

1.  Danken will ich Dir, o Licht; denn Du bist mir allzeit ein Erlöser und Befreier!

2.  Zum Licht will ich diesen Hymnus sprechen; denn es hat mich gerettet und mich aus

     der Hand der feindlichen Archonten erlöst.

3.  Du hast mich aus allen Orten befreit und hast mich gerettet aus den Höhen und Tiefen

     des Chaos und aus den Äonen der Archonten der Sphären.

4.  Als ich aus der Höhe herabgekommen war, irrte ich umher in Gebieten, worin es kein

     Licht gibt; und ich konnte nicht zum dreizehnten Äon, meinem Wohnort,

     zurückkehren.

5.  Denn in mir war weder Licht noch Kraft. Meine Kraft war ganz und gar erschöpft.

6.  Aber das Licht rettete mich aus all meinen Bedrängnissen. Preisend rief ich das Licht

     an, und es erhörte mich in meiner Bedrängnis.

7.  Es begleitete mich durch die Schöpfung der Äonen, um mich zum dreizehnten Äon,

     meinem Wohnort, zurückzuführen.

8.  Danken will ich Dir, o Licht, für Deine Rettung und für Deine Wundertaten am

     Menschengeschlecht.

9.  Als es mir an Kraft gebrach, hast Du mir Kraft gegeben. Und als mir mein Licht fehlte,

     hast Du mich mit gereinigtem Licht erfüllt.

10. Ich befand mich in der Finsternis und im Schatten des Chaos, gebunden mit den

     gewaltigen Fesseln des Chaos; und kein Licht war in mir.

11. Denn ich habe das Gesetz des Lichtes herausgefordert und übertreten. Und ich habe

     das Gesetz des Lichtes erzürnt, weil ich aus meinem Ort herausgegangen war.

12. Und als ich hinabgestiegen war, verlor ich meine Kraft und wurde lichtlos, und

     niemand hatte mir geholfen.

13. Und in meiner Not rief ich lobpreisend zum Licht; und es errettete mich aus all meinen

     Nöten.

14. Und es hat dabei all meine Fesseln zerbrochen und mich herausgeführt aus der

     Finsternis und der Heimsuchung des Chaos.

15. Danken will ich Dir, o Licht, dass Du mich gerettet hast, und für die Wundertaten, die

     dem menschlichen Geschlecht geschehen sind.

16. Du hast die obersten Tore der Finsternis und die gewaltigen Torriegel des Chaos

     zerbrochen.

17. Du hast mich aus dem Gebiet, wo ich gefehlt habe, entweichen lassen; und weil ich

     gefehlt habe, wurde mir meine Kraft genommen.

18. Und ich ließ ab von den Mysterien und stieg hinab zu den Toren des Chaos.

19. Und als ich bedrängt wurde, rief ich lobpreisend zum Licht; es befreite mich aus all

     meinen Qualen.

20. Du sandtest mir Deinen Lichtstrom; er gab mir Kraft und rettete mich aus all meinen

     Nöten.

21. Danken will ich Dir, o Licht, dass Du mich gerettet hast, und für Deine Heilstaten am

     Menschengeschlecht.

 

Dies ist nun der Hymnus, den die Pistis Sophia inmitten der vierundzwanzig Unsichtbaren verkündet hat, in dem Wunsch, dass sie alle Heilstaten, die Ich an ihr getan, erfahren sollten. Und weil sie sie wissen lassen wollte, dass Ich zur Menschenwelt gegangen bin und ihnen die Mysterien vom Allerhöchsten gegeben habe.«

Wenn Sie zwischen den Welten wandeln wollen, buchen Sie unter dem Punkt "Pforten zur Selbsterkenntnis" das persönliche oder erlebte Horoskop oder auch den Tempelschlaf (im weiten Sinne einer Reinkarnationstherapie).

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